Lehrverpflichtung

Unter Lehrverpflichtung ist die Verpflichtung zur Wahrnehmung von Lehraufgaben der Professorinnen und Professoren an Fachhochschulen zu verstehen. Die Lehrenden müssen einen bestimmten Umfang von Lehrveranstaltungsstunden (Semesterwochenstunden, „SWS“) erfüllen.

Regelungen

Der vorgeschriebene Umfang der Dienstaufgaben im Bereich der Lehre wird durch das jeweilige Landeshochschulgesetz und die auf seiner Grundlage regelmäßig erlassene Lehrverpflichtungsverordnung (LVVO) definiert. Weitere Konkretisierungen sind in den einschlägigen Verwaltungsvorschriften des jeweiligen Wissenschaftsministeriums enthalten, das in diesem Bereich die Fachaufsicht über die Hochschulen wahrnimmt.

Umfang

Danach beträgt die Lehrverpflichtung eines Professors oder einer Professorin an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften regelmäßig 18 SWS. Für teilzeitbeschäftigte Lehrende ergibt sich eine entsprechend geringere Lehrverpflichtung. Unterschreitungen sind insgesamt bis zur Hälfte, Überschreitungen bis zum Doppelten der individuellen Lehrverpflichtung zulässig. Es besteht regelmäßig die Pflicht der Professorinnen und Professoren, dem Dekan jeweils am Ende der Vorlesungszeit die konkret erbrachten Lehrveranstaltungen zu belegen.

Umfang der mit der Lehren zusammenhängenden Aufgaben

Professorinnen und Professoren sind berechtigt und verpflichtet, Lehrveranstaltungen in dem von ihnen vertretenen Fach in allen Studiengängen und in der Weiterbildung im Rahmen der für ihr Dienstverhältnis geltenden Regelungen abzuhalten. Dabei ergibt sich die nähere Ausgestaltung des Dienstverhältnisses aus der Regelung, die bei der Ernennung schriftlich getroffen wurde (Berufungsurkunde bzw. Einweisungsurkunde). Ganz allgemein lässt sich sagen, dass das Lehrgebiet das Spezialgebiet ist, über das Spezialveranstaltungen vornehmlich im Hauptstudium angeboten werden sollen, das sich in Forschung und Publikationen widerspiegeln soll und das Grundlage für die Zusammenarbeit mit Unternehmen sein soll.

Übernahme von „fremden“ Lehrveranstaltungen

Dagegen ist der Umfang des „Faches“ weit zu fassen. Der Bereich des Faches wird allein durch die wissenschaftliche Qualifikation des Professors begrenzt. Die Entscheidung, inwieweit übertragene Lehraufgaben in den Umfang des Faches fallen bzw. hierzu die notwendige wissenschaftliche Qualifikation vorhanden ist, ist im Zweifelsfall allein von einem Fachvertreter zu treffen. Nach allgemeiner Auffassung kann als Anhaltspunkt dienen, ob während des Studiums und der Promotion eine Qualifikation auf dem Gebiet erlangt wurde. Die Übertragung von Lehraufgaben außerhalb des Faches dürfte in der Regel nicht zulässig sein.

Anrechnungen von Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen, die nicht in Prüfungsordnung, Studienordnung oder in den Studienplänen vorgesehen sind, können nur auf die Lehrverpflichtung angerechnet werden, soweit alle nach den eben genannten Vorschriften – insbesondere der LVVO – vorgesehenen Lehrveranstaltungen angeboten werden. Die Anzahl der Lehrveranstaltungen, die danach berücksichtigt werden können, ist dem Präsidenten/Rektor besonders anzuzeigen.

Lehrermäßigungen

Die Regellehrverpflichtung kann jedoch auch ermäßigt werden. Dies setzt zunächst voraus, dass durch die Ermäßigung nicht die ordnungsgemäße Erbringung des nach Studien- und Prüfungsordnungen vorgesehenen Gesamtlehrangebots beeinträchtigt wird. Weiter setzt eine Lehrermäßigung einen entsprechenden Antrag voraus. Zuständig für die Bescheidung eines solchen Antrags ist der Präsidenten/Rektor, der letztlich über den Antrag entscheidet. Bei der Wahrnehmung von Leitungsfunktionen werden die Lehrverpflichtungen jeweils um einen festgelegten Prozentsatz ermäßigt, für das Amt des Präsidenten/Rektors um 100 Prozent, für das Amt des Vizepräsidenten oder das des Dekans um 75 Prozent.

Zur Wahrnehmung von wissenschaftlichen oder wissenschaftsbezogenen Aufgaben im öffentlichen Interesse außerhalb der Hochschule, die die Ausübung einer Lehrstätigkeit teilweise oder ganz entgegenstehen, kann die Lehrverpflichtung für eine begrenzte Zeit ebenfalls teilweise oder ganz ermäßigt werden.

Sonderregeln für Schwerbehinderte

Auf Antrag kann die Lehrverpflichtung Schwerbehinderter im Sinne des § 2 Sozialgesetzbuch (SGB) IX ermäßigt werden. Bei einem Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent kann die Ermäßigung bis zu 12 Prozent, bei einem Grad der Behinderung von mindestens 70 Prozent kann die Ermäßigung bis zu 18 Prozent und bei einem Grad der Behinderung von mindestens 90 Prozent kann die Ermäßigung bis zu 25 Prozent betragen.

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Stand: 27.01.2016


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