Haftung für Schäden aus dem Dienst

Die Haftung der Beamten für Schäden aus dem Dienst ergibt sich aus § 48 Seite 1 Beamtenstatusgesetz (BeamtStG). Nach dieser Vorschrift haben Beamte, die vorsätzlich oder grob fahrlässig die ihnen obliegenden Pflichten verletzen, dem Dienstherrn, dessen Aufgaben sie wahrgenommen haben, den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. Ähnliche Regelungen enthalten auch § 75 Absatz 1 Seite 1 Bundesbeamtengesetz (BBG) und teilweise auch die Beamtengesetze der Länder.

Ein Beamter muss für Schäden aufkommen, wenn bei der Erledigung von Aufgaben des Dienstherrn dem Beamten obliegende Pflichten verletzt werden und daraus ein Schaden entsteht. Kern der Vorschrift ist der Verschuldensmaßstab: Nur Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit, nicht jedoch leichte oder mittlere Fahrlässigkeit lösen die Haftung aus.

Eintritt eines Schadens

Ein Schaden entsteht dem Dienstherrn zumeist dadurch, dass Eigentum des Dienstherrn, das der Professorin oder dem Professor zur Verfügung gestellt wurde, beschädigt wird. So entschied das Bundesverwaltungsgericht (Urteil vom 12. August 2008, Az. 2 A 8/07) für den Fall eines aus einem unbewacht abgestellten Dienstfahrzeugs entwendeten Navigationsgeräts:

„Es gehört zu den allgemeinen Dienstpflichten eines Beamten, das ihm anvertraute oder auch nur schlicht zur Verfügung gestellte dienstliche Material sorgfältig zu behandeln und vor Beschädigung und Entwendung durch den Zugriff Dritter zu schützen (…). Der Kläger hat diese Dienstpflicht verletzt, indem er das ihm anvertraute Navigationsgerät nachts in der Halterung seines Dienstfahrzeugs beließ und es so dem Zugriff Dritter aussetzte. Der Kläger hat es pflichtwidrig unterlassen, das Gerät aus seiner Halterung zu nehmen und außer Sichtweite möglicher Diebe unterzubringen. Die Dienstpflichtverletzung umfasst auch den hierbei entstandenen Schaden an der Seitenscheibe der Beifahrertür.“

Der Dienstherr kann den Beamten auch für solche Schäden in Regress nehmen, die ihm im Verhältnis zu Dritten entstehen. Wenn dem Dienstherrn aus Schadenersatzansprüchen Dritter, beispielsweise Studierender, oder sonst im Verhältnis zu Dritten Einbußen entstehen, kann er das grundsätzlich gegenüber dem Beamten geltend machen. So kann ein Dritter den Dienstherrn bzw. die Anstellungskörperschaft bei einem durch schuldhafte Dienstpflichtverletzungen verursachten Schaden nach § 839 Absatz 1 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), Artikel 34 Seite 1 Grundgesetz (GG) in Anspruch nehmen. Der Dienstherr kann diesen Haftungsschaden dann im Regressweg gegenüber dem Beamten geltend machen.

Auch hier gilt jedoch wiederum der Verschuldensmaßstab von Vorsatz und grober Fahrlässigkeit (für eine nicht rückforderbare, unberechtigt hohe Gehaltsauszahlung durch den Beamten im Besoldungsamt so bereits Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom 8. August 1973, Az. VI C 15.71).

Dienstpflichtverletzung

Sobald ein Schaden eintritt, liegt eine Dienstpflichtverletzung nahe, denn als eine Dienstpflicht der Beamten wird es angesehen, das Vermögen des Dienstherrn nicht zu schädigen (Verwaltungsgericht (VG) Köln, Urteil vom 26. September 2014, Az. 19 K 2828/13). Es sind jedoch auch alle aufgabenbezogenen Pflichten maßgeblich, etwa die sich aus dem Geschäftsverteilungsplan oder Dienstplan ergebenden Pflichten, insbesondere auch zur Einhaltung von Ausschlussfristen bei der Beantragung von Fördergeldern und Drittmitteln (für eine materielle Ausschlussfrist bei der Bewilligung von Zuschüssen/Finanzierungen für Kindertageseinrichtungen VG Ansbach, Urteil vom 24. Februar. 2015, Az. AN 1 K 12.02289). Im Hochschulbereich ist der Erfolg mit einem Drittmittelantrag allerdings regelmäßig zu ungewiss, als dass hier Pflichtverletzungen nachweisbar zu einem Schaden führen könnten.

Soweit der Beamte beim Umgang mit ihm dienstlich anvertrauten Sachgütern berechtigterweise Dritte einsetzt, entfallen seine Pflichten nicht vollständig. Vielmehr wandelt sich seine Pflicht um in eine Pflicht zur sorgfältigen Auswahl des Dritten sowie eine Pflicht zu deren Überwachung (für den Fall der Betankung eines Dienstfahrzeugs – versehentlich mit Benzin statt Diesel – OVG Lüneburg, Beschluss vom 27. Mai 2013, Az. 5 LB 96/13).

Vorliegen des Verschuldens

Kern der haftungsrechtlichen Betrachtung ist dann regelmäßig die Frage des Verschuldens und dabei, ob Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit festzustellen sind. Der Schuldvorwurf der groben Fahrlässigkeit ist gerechtfertigt, wenn der Beamte im konkreten Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände seine Pflicht zum sorgsamen Umgang objektiv besonders schwerwiegend und auch subjektiv unentschuldbar, erheblich über das gewöhnliche Maß hinausgehend verletzt. Grob fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt, wer nicht beachtet, was im gegebenen Fall jedem einleuchten muss oder wer die einfachsten, ganz nahe liegenden Überlegungen nicht anstellt (VG Berlin, Urteil vom 11. Dezember 2013, Az. 5 K 163.11 für den Fall einer rechtswidrig begünstigenden Indienstnahme einer Kanzlerin durch den Universitätspräsidenten).

Ob dieser Maßstab die Haftung begründet, ist dann eine Frage des Einzelfalls. Bei abhanden gekommenen oder beschädigten Sachen ist die Rechtsprechung sehr streng und lässt es regelmäßig nicht zu, dass die Beamtin oder der Beamte sich auf ein milderes Augenblicksversagen zurückzieht. Bei der Versäumung von Fristen durch Arbeitsüberlastung, Urlaub oder aus dem Geschäftsbetrieb heraus, gibt es unterschiedliche Judikate. Eine strenge Einschätzung legte das VG Ansbach mit dem Urteil vom 24. Februar 2015 vor (Az. AN 1 K 12.02289). Eine mildere Betrachtung eines Falles liegt hingegen vom VG Köln in seinem Urteil vom 26. September 2014 (Az. 19 K 2828/13) vor.

Ab und an beschäftigen Falschbetankung von Kfz oder Verkehrsunfälle die Rechtsprechung (OVG Lüneburg, Beschluss vom 27. Mai 2013, Az. 5 LB 96/13, OVG Koblenz, Beschluss vom 26. Februar 2004, Az. 2 A 11982/03.OVG, OVG Magdeburg, Urteil vom 20. Februar 2014, Az. 1 L 51/12, VG Neustadt (Weinstraße), Urteil vom 18. März 2014, Az.1 K 602/13.NW).

In einem Verfahren aus dem hlb-Rechtsschutz beurteilte ein Verwaltungsgericht aus Nordrhein-Westfalen das Liegenlassen eines Dienst-Laptops bei der Rückreise von einer dienstlichen Veranstaltung mit knappen Anschlussverbindungen als grob fahrlässig. Vorsätzliche Vermögensdelikte zum Nachteil des Dienstherrn sind in jedem Fall haftungsbegründend und die Fachhochschulen des Landes NRW sind berechtigt, gegenüber ihren Beamten auch solche Schadensersatzansprüche zu liquidieren, die noch vor der durch das Hochschulfreiheitsgesetz zum 1. Januar 2007 erfolgten organisatorischen Verselbständigung der Fachhochschulen zugunsten des Landes entstanden sind (VG Gelsenkirchen, Urteil vom 22. Februar 2013, Az. 12 K 1564/10 für den Fall eines Subventionsbetrugs an der damaligen Fachhochschule Gelsenkirchen).

Bitte haben Sie daher Verständnis dafür, dass im Rahmen eines Infoblatts nur ein Bruchteil der auftretenden Rechtsfragen aufgeworfen werden können. Der Hochschullehrerbund hlb berät Sie gern persönlich in allen Fragen zur Haftung für Schäden aus dem Dienst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle stehen Ihnen mit ihrer jahrelangen Erfahrung beratend zur Seite. Rufen Sie uns an!

Weitere Informationen zur Lehrverpflichtung im Allgemeinen finden Sie im Infoblatt "Lehrverpflichtung".

Stand: 20.08.2015


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